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Jungimker erfolgreich ausgebildet

Jürgen Friedrichsen 

(ein Lehrgangsteilnehmer)

2005 hat sich der Imkerverein Obertaunus e.V. gezielt für die Nachwuchsförderung von Jungimkern eingesetzt. Auf die Ankündigung eines Lehrpraktikums in den Medien und der vereinseigenen Web-Seite meldeten sich etwa 20 Interessenten. Die erste Sitzung fand am 23. Febr. 2005 auf dem Lehrbauernhof der Familie Maurer in Gonzenheim statt. Das rege Interesse war zunächst unerwartet. Erfreulich ist, dass sich 15 Lehrgangsteilnehmer entschieden, bis zum Ende dabeizubleiben. Das anhaltende Interesse ist ganz sicherlich unseren drei Trainern des Imkervereins Obertaunus, den Herren Amberg, Belz und Kabbatsch zu verdanken, die es verstanden, das Interesse für die Bienenhaltung im Laufe des Lehrganges kontinuierlich weiter zu steigern und ihr Engagement für die Sache zu vermitteln. Vielen herzlichen Dank dafür schon einmal vorweg! 

Der Lehrgang zur Einführung in die Bienenhaltung gliederte sich in die zwei Abschnitte Theorie (I) und Praxis (II):

I. Die theoretische Unterweisung

Im Rahmen der theoretischen Unterweisung wurden folgende Kernthemen im 14-tägigen Rhythmus von Ende Februar bis Mitte April behandelt:

  • Geeignete Fachliteratur und Bienenzeitschriften (aus meiner Sicht für Anfänger besonders zu empfehlen: (1)„Grundwissen für Imker“, DLV-Verlag, zu beziehen über die Zeitschrift „Die Biene“); (2) „Der Wochenend-Imker“, Karl Weiß, Kosmos-Verlag,
  • das Bienenvolk: seine Zusammensetzung, Lebensweise und Kommunikation, die Populationsdynamik des Volkes im Laufe eines Bienenjahres, wichtige Eckpunkte der Vegetation im Bienenjahr, Bienenrassen und deren spezifische Eigenschaften,
  • gewollte und ungewollte Königinnennachzucht, Beachtung wichtiger Nachzuchteigenschaften (Sanftmut, Wabenstetigkeit, geringe Schwarmneigung u.a.)
  • Schwärmen als Naturtrieb: Ursachen der Schwarmneigung und Vermeiden des Schwärmens durch entsprechende Völkerführung,
  • Aufbau einer Magazinbeute, Bedarf an Zargen im hiesigen Naturraum, gängige Rähmchentypen,
  • Wabenbau, Ursachen für Verbau im Magazin
  • Produkte aus der Bienenhaltung, Reifepunkt des Honigs und Honigbehandlung nach dem Schleudern
  • Der Hauptschädling der Bienen: die Varroamilbe, Dynamik der Varroamilbenpopulation während des Bienenjahres und deren bienenschonende Bekämpfung unter Vermeidung von bedenklichen Rückständen in Honig und Wachs,
  • Erkennung und Umgang mit der Wachsmotte, Nosematose und Faulbrut.

Erfahrungsgemäß bleibt alle Theorie grau, weshalb ein imkerpraktischer Teil an Bienenvölkern folgte.

II. Die praktische Unterweisung

Die praktische Unterweisung (wöchentlich von Ende April bis Ende Juli) fand am Lehrbienenstand des Imkervereins in Oberstedten statt. Dafür wurden drei Kleingruppen zu je 5 Lehrgangsteilnehmern gebildet und je eine Kleingruppe durch die Herren Amberg, Belz und Kabbatsch bis zum Ende des Lehrgangs bei der praktischen Völkerführung von zwei Bienenvölkern je Gruppe betreut.

Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Teil, unterfüttert durch die vielen praktischen Tipps der Lehrmeister war ganz besonders hilfreich, hat ständig aufs Neue begeistert und das Handwerkszeug geliefert, um den Einstieg in die Bienenhaltung als Hobby zu wagen.

Im praktischen Teil sind gerade für Anfänger folgende ausgewählte Aspekte interessant gewesen:

  • Start der Völkerbeurteilung am Einflugloch: Polleneintrag, Trachteintrag, Unruhe etc.,
  • sparsamer Einsatz des Smokers (am besten mit vermodertem, getrockneten Birkenholz als Brennsubstanz) oder, je nach Präferenz, Gebrauch von Nelkenöl zur Beruhigung der Bienen bei der Völkerdurchsicht, Handhabung des Api-Begattungskästchens,
  • Suche und Erkennen der Königin im Brutnest, Bestiftung von Zellen und Stadien der offenen und geschlossenen Brut, Zeichnen einer Königin, gezielte Nachzucht von Königinnen durch Umlarven von Bienenmaden aus leistungsstarken Völkern mit guten Eigenschaften, Erkennen von Spielzellen, Nachschaffenszellen, Schwarmstimmung,
  • Aussehen von Brutwaben sowie Futter-/Pollen-/Honigwaben,
  • Auflösen eines buckelbrütigen Volkes, Vereinigung der Bienen mit einem anderen Volk, Unterstützung des Einbettelns von Bienen in ein anderes Volk,
  • Brutnesterweiterung/-reduktion sowie Bildung eines Ablegers zur Schwarmvermeidung,
  • Verstärken eines Ablegers unter Nutzung von Api-Spray zur verträglichen Zusammenführung von Bienen (einschließlich einer anfänglichen Wassergabe und Ergänzen von Futterwaben),
  • sicheres Zusetzen einer Königin mit dem Millerkäfig: Zubereitung des Futterteiges, Herstellen des Futterteigverschlusses im Millerkäfig sowie Abschließen der Fresskanäle mit Bierdeckelpappe, Handhabung des Einführrohres zum Zusetzen der Königin,
  • Völkerführung in einer Magazinbeute, Kennzeichnen der Zargen und Waben mittels farbiger Reiszwecken sowie Trennung der Brutraumzarge mit zwei Absperrgittern (oben und unten) zur Arbeitsvereinfachung, Gebrauch einer Folienabdeckung zur Reduktion der Verbauung,
  • Honigernte: Reifebestimmung, Entdeckeln, Schleudern und nachfolgende Honigbehandlung,
  • Varroabekämpfung mit Baurahmen, Blockbehandlung mit „Bienenwohl“, einmalige Perizin-Behandlung in der brutfreien Zeit (Nov/Dez),
  • Einfütterung mit flüssiger Zuckerlösung oder Futterkuchen zur Überwinterung der Bienenvölker.

Mit einer kritischen Erfahrungsauswertung und der Verteilung des geernteten Honigs im September 2005 schloss der Lehrgang ab.

Zusammenfassende Wertung: Es war ein interessanter, erfolgreicher und äusserst praxisorientierter Kurs, der das Handwerkzeug für den Einstieg in die Bienenhaltung vermittelte. Deshalb hier nochmals ein ausdrückliches Dankeschön an unsere Lehrmeister, die Herren Amberg, Belz und Kabbatsch für ihre interessante, engagierte und geduldige Vermittlung ihrer umfassenden Erfahrungen.

Ausblick: geplant ist für 2006 eine Nachbetreuung der Lehrgangsteilnehmer bei der eigenverantwortlichen Bewirtschaftung der Bienenvölker am Lehrbienenstand in Oberstedten. 

Kontextspalte

Königin-Zeichenfarbe 2017: gelb